Parodontologie

Inhaltsangabe

  1. Was kann man bei Rezessionen( Zahnfleischrückgang ) tun ?
  2. Beispiel für die erfolgreiche Therapie einer Rezession
  3. Wie kann ich Parodontose stoppen ?
  4. Was wird bei einer Parodontitis-Behandlung gemacht ?
  5. Was kostet eine Parodontose-Behandlung?

Was kann man bei Rezessionen( Zahnfleischrückgang ) tun?

Rezessionen gehören in den Bereich der Zahnfleischerkrankungen, sind jedoch nicht bakteriell bedingt. Sie können verschiedene Ursachen wie Zahnfehlstellung, ungenügend vorhandener Knochen, nicht optimale Kaufunktion und / oder ungünstige Putzgewohnheiten haben. Als Spätfolge können Rezessionen auch nach Kieferorthopädie entstehen.

Bevor eine Therapie eingeleitet werden kann, müssen durch exakte Diagnostik die möglichen Ursachen der Rezessionen ermittelt werden. Ziel der Therapie ist immer zunächst eine Verdickung des Gewebes, das später die entblößte Zahnoberfläche schützen soll. Für diesen Schritt steht entweder Gewebe aus dem Gaumen des Patienten oder aufbereitetes Gewebe von anderen Menschen oder vom Tier zur Verfügung, wobei das körpereigene Gewebe nach wie vor den Goldstandard darstellt. Häufig findet zur Beschleunigung der Wundheilung die Gabe von Schmelz-Matrix-Proteinen ( EMDOGAIN ) statt. Nach der Verdickung des Gewebes erfolgt dann die Verschiebung des Gewebes in Richtung Zahnkrone. In manchen Fällen können diese Operationen kombiniert werden, sodass nur ein operativer Eingriff notwendig ist.

Ein Beispiel für die erfolgreiche Therapie einer Rezession:

Situation präoperativ mit alter Restauration

Situation postoperativ mit Restauration Zahn 14

Wie kann ich Parodontose stoppen ?

In der Mundhöhle finden sich hunderte verschiedener Bakterienarten. Die meisten von ihnen sind harmlos, spielen bei der Nahrungsaufnahme eine wichtige Rolle und sorgen für eine gesunde Mundflora.

Durch eine schlechte Mundhygiene kann allerdings das Gleichgewicht empfindlich gestört werden. Dann nimmt die Anzahl der Bakterien zu und krankmachende Keime gewinnen die Überhand. Vermischt mit Zucker- und Hefemolekülen sitzen sie auf den Zahnoberflächen ( sog. Plaque oder Biofilm ) und lösen durch ihre produzierten Gifte ( Toxine ) zunächst eine auf das Zahnfleisch begrenzte Entzündung aus ( Gingivitis ). Sie ist bei rechtzeitiger Erkennung und Behandlung reversibel. Bleibt sie unerkannt, dann greift sie das Fundament des Zahnes ( Parodontose bzw. Parodontitis ) an und führt zu irreversiblen Knochenverlust. Die Folgen sind Zahnwanderungen und im Spätstadium Zahnverlust.

Um das zu verhindern, ist es sinnvoll, jeden (!) Tag die Zähne zu reinigen und vor allem die Zahnzwischenräume zu säubern ( Zahnzwischenraumbürsten ) und regelmäßig, also mindestens 2x / Jahr eine professionelle Zahnreinigung durchführen zu lassen. Da mittlerweile wissenschaftlich nachgewiesen ist, dass eine Parodontitis zu einem höheren Risiko für Herzkreislauf-, Lungenerkrankungen, Frühgeburten und Diabetes führen, ist es in einzelnen Fällen sinnvoll, die Intervalle für eine professionelle Zahnreinigung dem Bedarf anzupassen. In schweren Einzelfällen sollte, begleitend zur mechanischen Therapie, eine bakterielle Keimbestimmung und systemische Medikamentation erfolgen.

Was wird bei einer Parodontitis-Behandlung gemacht?

Um eine Parodontitis erfolgreich behandeln zu können, muss zunächst eine umfangreiche Diagnostik erfolgen. Dazu gehören der Zahnstatus, Röntgenaufnahmen, Vitalitätsprobe, Messung der Taschentiefen ( möglichst an 6 Stellen / Zahn ), Lockerungsgrad und Perkussionsprüfung. In Einzelfällen ist eine quantitative und qualitative Keimbestimmung sinnvoll. Nach diesen „Vorarbeiten“ erfolgt als Vorbehandlung zunächst Der Ablauf einer Parodonti-tisbehandlung sieht folgendermaßen aus:

  1. Professionelle Zahnreinigung ( PZR ) als Vorbehandlung
  2. Subgingivale Zahnreinigung des linken oder rechten Ober- und Unterkiefers unter örtlicher Betäubung. Innerhalb von 3-4 Tagen erfolgt dann
  3. Subgingivale Zahnreinigung des linken oder rechten Ober- und Unterkiefers unter örtlicher Betäubung ( Gegenseite )
  4. Reevaluation ( Neubewertung der Situation ) und PZR nach ca. 8 Wochen
  5. Regelmäßige PZR als unterstützende Parodontitistherapie ( UPT ) mit Messen der Taschentiefen 2x / Jahr

Was kostet eine Parodontosebehandlung?

Gesetzlich versicherte Patienten müssen die PZR als Privatleistung aus eigener Tasche zahlen. Zusatzversicherungen und einige Krankenkassen bezuschussen diese Ausgabe. Sie liegt zwischen 70 – 100 € / h. Die eigentliche Zahnfleisch-Behandlung wird nach Antrag von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen. Eine Keim-Bestimmung ist privat zu zahlen.

Privat versicherten Patienten wird die gesamte Vorbehandlung und Behandlung erstattet.

Zähne haben bessere Prognose als Implantate

Zähne mit parodontalem Knochenabbau werden häufig zu schnell extrahiert und durch Implantate ersetzt.

Unbehandelte Parodontitis kann Diabetes verschlimmern.

Laut der letzten Studie über die Zahngesundheit aus dem Jahr 2007 leiden ca. 80 % der Bevölkerung an einer mehr oder weniger ausgeprägten Parodontitis, der Erkrankung des Zahnhalteapparates. Sie ist die Folge einer nicht behandelten Gingivitis , der Erkrankung des Zahnfleischsaumes. Beide werden durch Bakterien verursacht und stellen somit eine Infektionserkrankung dar. Mittlerweile ist wissenschaftlich nachgewiesen, daß eine fortgeschrittene Parodontitis auch massive Wechselwirkungen in ganzen Körper verursachen kann. Hier sind insbesondere die Gefahr von verfrühten Geburten, Lungen- und Herzerkankungen und vor allem Diabetes mellitus zu nennen!

Unterschiedliche Behandlungskonzepte bei chronischer oder aggressiver Parodontitis.

Eine Gingivitis beschränkt sich auf das Zahnfleisch und ist bei entsprechender Behandlung und Vorsorge reversibel ( umkehrbar).
Wird eine Parodontitis nicht behandelt, führt sie auf Grund von entzündungsbedingtem, fortschreitendem Knochenverlust langfristig zu Zahnwanderungen und Zahnverlust. Der Verlauf einer Parodontitis ist abhängig von der Bakterienart und -menge. So können agressive Keime innerhalb kürzester Zeit zu erheblichem Knochenverlust führen. Insofern ist die agressive Parodontitis von der chronischen Parodontitis zu unterscheiden, die wesentlich langsamer verläuft. Dies erfordert unterschiedliche Behandlungskonzepte, die langfristig zur Heilung führen. Im Fall einer aggressiven Parodontis ist zu allererst sinnvoll, eine Keimbestimmung durchzuführen.

Ausheilung der Parodontitis.

Im Gegensatz zu früher schöpft die moderne Parodontologie zunächst alle konservativen Behandlungsmöglichkeiten in Form von Ultraschallreinigung der Zahnfleischtaschen mit eventueller medikamentöser Begleittherapie aus. Professionelle Zahnreinigung in kurzen Abständen und häusliche Mitarbeit führen in relativ kurzer Zeit zur Ausheilung der Parodontitis. Sollten sich dennoch Zahnfleischtaschen nicht verringern, muß dann auch eine chirur-gische Behandlung in Erwägung gezogen werden. Hier optimieren heute moderne regenerative Operationstechniken das Behandlungsergebnis. Dazu gehören Knochenersatzmaterialien, Membranen und Emdogain.

Behandlung von zurückgehendem Zahnfleisch und übersensiblen Zahnhälsen.

In Abgrenzung zur bakteriell bedingten Parodontitis sind Rezessionen                   ( zurückgehendes Zahnfleisch ) zu unterscheiden, da sie NICHT bakteriell bedingt sind. Sie gehören auch in den Bereich der Parodontalerkrankungen und entstehen meist durch intensives horizontales Zähneputzen. Ihre Entstehung kann aber auch durch Kieferorthopädie und anatomisch bedingte dünne Knochenlamellen begünstigt werden. Es resultieren daraus oft übersensible Zahnhälse und im Spätstadium Zahnhalskaries. Mit Hilfe der plastischen Parodontalchirurgie lassen sich Rezessionen nachhaltig beseitigen ( Rezessionsdeckungen ). Auch hier finden regenerative Operationstechniken ihre Anwendung. Allerdings steigt der Schwierigkeitsgrad der Therapie mit der Größe und Anzahl der Rezessionen.

Vorgeschädigte Zähne retten.

Die präprothetische Parodontalchirurgie ist immer dann vor Restaurationen sinnvoll, wenn der zu versorgende Kronenstumpf zu kurz und / oder der Bereich der befestigten Schleimhaut um den Zahn herum zu schmal ist. Durch solche relativ kleinen chirurgischen Eingriffe lassen sich sehr häufig auch vorgeschädigte Zähne retten, da die parodontalen Schleimhautverhältnisse postoperativ entzündungsfrei sind. Dies wirkt sich positiv auf die Langlebigkeit des restaurierten Zahnes aus.

Gesunderhaltung des Zahnhalteapparates.

Da die Parodontologie die Gesunderhaltung des Zahnhalteapparates, also quasi des Zahnfundamentes, zur zentralen Aufgabe hat, ist sie meines Erachtens die wichtigste Teildisziplin moderner Zahnheilkunde! Denn ohne gesunden Zahnhalteapparat sind keine Implantate, Restaurationen, Kronen oder Kieferorthopädie mit Langzeiterfolgen denkbar.

Jahrelanges chirurgisches Training durch erfahrene Parodontologen (Amerika) und durch die Spezialisierung in der Parodontologie ( Spezialist für Parodon-tologie der deutschen Grsellschaft für Parodontologie ) versetzen uns in die Lage, Ihnen zu helfen.